Verwüstung des Dorfes (30jähriger Krieg)

Zerstörung eines Dorfes
von Jacques Callot (lothringischer Graphiker)

Als der Dreißigjährige Krieg 1618 ausbrach (die erste Phase nennt man auch den „Böhmisch-pfälzischen Krieg“), war unsere Gegend davon nicht oder kaum berührt. Erstmals im Jahre 1624 tauchten, auch in Eschringen, Soldaten auf, wovor sich die Bevölkerung im Wald versteckte. Die Folgejahre blieben wohl friedlich, sie sind allerdings kaum dokumentiert. Dafür erreichten im Sommer 1635 die Schrecken des Krieges die Saargegend. Es kam zu erbitterten Kämpfen zwischen schwedisch-französischen und kaiserlichen Truppen. Letztere eroberten am 30. September St. Johann und wenige Tage später Saarbrücken. Die Soldateska herrschte furchtbar in den eh schon ausgelaugten Dörfern: Die Höfe wurden niedergebrannt, die Felder verwüstet, das Vieh vertrieben, die Menschen verjagt oder massakriert. Wer nicht umgebracht wurde, starb letztlich an Hunger oder Krankheit. Wer in der Lage war zu fliehen, schlug sich in die Fremde durch, gelangte bisweilen bis nach Holland. Aussagekräftige Dokumente für Eschringen sind nicht (mehr) bekannt; man kann jedenfalls annehmen, daß die Grundherren nicht in der Lage waren, ihre Untertanen zu schützen. Schließlich waren sie alle – der Deutsche Orden, die Mönche von Gräfinthal und Wadgassen – längst geflogen oder hatten sich irgendwie mit den jeweils Mächtigen arrangiert. Es gibt jedoch Chronisten, die die Kriegswirren in Worte zu fassen versuchten. Da heißt es z. B.: „Die Nachkommenschaft wird Mühe haben, zu glauben, was wir schreiben“ (Champlon, 1635). Und unsere Umgebung betreffend: „Saargemünd ist leer, die Dörfer um Saargemünd sind entvölkert, die Truppen haben alles weggenommen…Die Ortschaften…sind bewohnt von wilden Tieren. Nur einzelnes Raubgesindel schleicht sich hie und da in die Ruinen der Dörfer, um das Wenige noch zu plündern, das die Schweden oder Kroaten zurückgelassen haben.“

Es dauerte Jahrzehnte, bis sich unsere Gegend – nach dem Friedensschluss von Münster im Jahre 1648 – von diesem, gerade auch die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft ziehenden Krieg einigermaßen erholte. Das praktisch verlassene Eschringen wurde erst nach und nach wieder besiedelt. Eine Bestandsaufnahme seitens des Deutschen Ordens aus dem Jahre 1679 belegt, daß das Dorf nur wenige Bewohner hatte, viele Felder noch immer unbestellt waren und die meisten Höfe in Trümmern lagen. Die Reunionskriege hemmten dazu den Wiederaufbau, der dann aber zum Ausgang des 17. Jahrhunderts, auch dank des Zuzugs von Tiroler Einwanderern, doch in Gang kam.

(Roland Schmitt)

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