21.06.02 – Unser Dorf soll schöner werden

Frühstück am Maulbeerbaum (aus der Saarbrücker Zeitung v. 21.6.2002)
 
„Unser Dorf soll schöner werden“: Ausgiebiger Rundgang mit der Experten-Kommission auf
Stadtverbands-Ebene
-Von ANDREAS LANG-
 
Eschringen. Die Spannung unter den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft der Eschringer Vereine (AGE)
ist deutlich zu spüren. Die Experten-Kommission des Stadtverbandes für den Bundeswettbewerb „Unser
Dorf soll schöner werden-unser Dorf hat Zukunft“ hat sich für Mittwochmorgen um 8 Uhr angekündigt.
Pünktlich ist die Jury am Gasthaus Zur Post versammelt und so geht es in Begleitung von Bezirksbürgermeisterin Anette Hübinger los. Roland Schmitt, Geschäftsführer der AGE und Leiter der
Geschichtswerkstatt Eschringen übernimmt die Führung der Gruppe. Mit dem Bus wird die Steigung zumÜberwald erklommen. Von dort hat man den besten Blick auf den Ort. Um der Jury das Dorf in der
Landschaft zu zeigen -dies ist eines der Bewertungspunkte – führt Roland Schmitt eine Gelände-„Taufe“
durch. Dabei werden Orte und charakteristische Geländepunkte beim Namen genannt, daher der Begriff
Taufe.
 
Der Überwald ist auch ein beliebtes Wanderziel, hier hat die Geschichtswerkstatt einen Grenzstein-Lehrpfad angelegt. Ein Eckstein, der einst die Grenze zwischen dem Fürstentum Nassau-Saarbrücken
zeigte, steht direkt neben einem Stein, auf dem noch deutlich „KB“ prangt. Er kündet seit 1768 stolz vom
Königlich-Bayerischen Reich. Die Gruppe steigt wieder in den Bus. Auf der Fahrt zur Schule beteiligen
sich auch Edgar Hartz, der Vorsitzende der AGE und Anette Hübinger daran, die Jury mit Informationen
zu versorgen. Nächster Halt ist die Schule. Hier wieder ein Blick über die Laurentius-Kirche auf den Ort.
Hinter einem Brunnen wieder Geschichtsträchtiges: Wo heute der Sportplatz ist, hatten einst die Römer
eine Villa Rustica, einen Gutsherrenhof, errichtet. Noch heute könne man dort, mit etwas Glück, antike
Scherben finden, berichtet Schmitt. Auf dem Weg zur Kirche ein exotisches Frühstück für die Jury. Ein für diese Gegend seltener Maulbeerbaum lockt mit reifen Früchten. Da auch die Grüngestaltung und
-entwicklung bewertet wird, zeigt sich die Jury an dem Baum interessiert und viele Mitglieder naschen von den süßen Früchten.
 
Stolz sind die Eschringer auch auf ihren Streuobstgarten rund um die Kirche. „Alles Obst von den
Bäumen wird verwertet“, erklärt Schmitt. „Das meiste wandert in die Konfitüren-Herstellung, aber auch
das hochprozentige Laurentiuswasser schmeckt den Kennern.“ Bei den Festen, die im Pfarrgarten
stattfinden, erfreue man sich der schattigen Bäume, fährt er fort. Edgar Hartz: „Die Bäume bereiten uns
jedoch nicht nur Freude. So waren sie schon so dicht gewachsen, dass sie den Blick vom Ehrendenkmal
der Gefallenen auf die Kirche versperrten.“ Deshalb habe man sie schonend zurückgeschnitten. An der
Bachaue entlang geht’s wieder Richtung Alte Post. Viel beachtet neben der beschaulichen Dorfwiese mit
angrenzendem Spielplatz: ein schön angelegter Gartenteich in einem privaten Garten. Über die
Hauptstraße strebt die Gruppe auf die mittelalterliche Laurentiuskapelle zu. Für Erheiterung sorgt eine
Erzählung von Roland Schmitt: „Hier soll es zu Beginn des 18. Jahrhunderts einen wegen
Frauengeschichten strafversetzten Pfarrer gegeben haben, der hat den ursprünglichen Altar der Kapelle
kurzerhand zu seinem Eigentum erklärt und bei seinem Ausscheiden mitgenommen.“ Am
Laurentiusbrunnen geht Schmitt auf das Verhältnis der Eschringer zu ihrem Schutzheiligen ein, der im Ort allgegenwärtig ist. An den Seitenwänden des Brunnensteins kann man Historisches und
auch eine der Sagen über den Heiligen Laurentius nachlesen. An der alten Mühle nebenan verdeutlicht Schmitt die Erhaltung alter Bausubstanz, einem weiteren Kriterium der Jury. Dann wieder eine kleine Busfahrt. Durch die Halbergsiedlung und den Erlenhain wird der Bewertungspunkt Baugestaltung und
-entwicklung bedient, bevor die Gruppe dann in der Alten Post einkehrt. Natürlich ist man froh über die, bei diesen Temperaturen willkommenen Erfrischungen, doch der Besuch der Gaststätte gilt auch der Vorstellung der örtlichen Vereine, die hier Schautafeln hergerichtet haben. Auch die Eschringer Internetseite wird präsentiert (www.eschringen.de).
 
Die Jury, die ja auch das soziale und kulturelle Leben im Ort bewertet, saugt diese Informationen auf. Wie im Flug ist die Zeit vergangen. Um zehn Uhr bricht die Jury auf, denn in einer Viertelstunde wollen die Bliesransbacher ihr Dorf vorstellen, und dann kommt Auersmacher dran. An den Tagen zuvor haben sie Wahlschied, Ober- und Niedersalbach, Lummerschied, Hilschbach und Karlsbrunn unter die Lupe
genommen. Alle Orte warteten gespannt auf das Ergebnis. Der Sieger auf Stadtverbandsebene darf am
Landeswettbewerb teilnehmen. Der Ort, der als Sieger hervorgeht, nimmt am Bundeswettbewerb teil.