Die Wassernixe vom Eschringer Seerosenteich

Kristina Bernhard u. Celine Maul,9 Jahre (1998)
Zeichnung von Kristina Bernhard u. Celine Maul, 9 Jahre (1998)

„Bei Eschringen in tiefer Waldeinsamkeit war ein grundloser Sumpf, Seerosen erblühten in Fülle. Des Schultheißen bildschönen Sohn zog es häufig dahin. Er hatte von der geheimnisvollen Wasserjungfer vernommen, welche tief unten wohne im kristallenen Palaste. Als er einmal wieder dort war, da regte sich eine der Seerosen, aus den Blättern des Kelches tauchte ein wunderholdes Wesen empor, halb Kind und halb Jungfrau, und winkte ihm verlangend entgegen. Er streckte die Arme nach ihr aus und versank mit ihr in die Tiefe. Groß war die Trauer im Dorfe. Des Jünglings Pflegevater, der Ritter Bos von Waldeck, kam mit seinem Hauskaplan, um durch dessen Beschwörungssegen den See zu entzaubern. Drauf ergriff der Ritter sein Schwert und hieb eine der schönsten Seerosen ab. Mit dem Schlage entströmte Blut dem abgehauenen Stängel und ertönte zugleich ein durchdringender übermenschlicher Schrei – die Wassernixe war tot.“

Originaltext aus der BAVARIA: Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern… Vierter Band/Zweite Abteilung: Bayerische Rheinpfalz. München 1867. S. 337-338.

Anmerkung: Diese Sage inspirierte Ludwig Schandein übrigens auch zu dem Gedicht „Die Wasserhex“, nachzulesen in „Gedichte in westricher Mundart. Stuttgart 1892. S. 141-143.

Zur Geschichte und Sage vom „Seerosennixenteich“

Zeichnung von Daniel Losito, 8 Jahre (1998)
Zeichnung von Daniel Losito, 8 Jahre (1998)

Beim Vierherrenwald liegt der Seerosennixenteich. Hier soll vor langer Zeit eine wunderschöne Seejungfrau, die sich in eine Seerose verwandeln konnte, den Sohn des Bürgermeisters in die Tiefe des Gewässers gezogen haben.

Diese Sage hat vermutlich einen wahren Kern. Denn im November 1751 ist wirklich ein junger Mann aus Eschringen ertrunken. Auch den Ritter Boos von Waldeck, der den Teich mit Hilfe seines Kaplans entzaubert hatte, gab es wirklich. Nur lebte der etwas früher, nämlich im 15. Jahrhundert.

Der Seerosennixenteich wird von den Eschringern auch „Ellere Puhl“ genannt. Puhle sind Erdgruben, die den Menschen in der Stein- und Bronzezeit als Wohnungen dienten. Wahrscheinlich hat sich dieser Puhl erhalten und später mit Wasser gefüllt. Vielleicht blühten früher auch mal Seerosen auf diesem Teich. Heute ist er vor allem im Sommer fast ausgetrocknet. Er ist von viel Gebüsch und Gestrüpp umgeben.

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