30.11.00 – Die fränkische Geschichte Deutschlands und Frankreichs

Der Historiker Dr. Kühn referierte bei der Eschringer Geschichtswerkstatt

An ein auf den ersten Blick etwas sperriges und sehr komplexes Thema wagte sich bei seinem Vortrag am 30. November 2000 im Gasthaus „Zur Post“ der Historiker Dr. Hans-Joachim Kühn aus Düppenweiler. Er versuchte die Geschichte der Franken vom Zusammenbruch des Römischen Reiches über die Könige Chlodwig und Karl den Großen bis zu den Reichsteilungen anschaulich und verständlich darzustellen. Dieses Vorhaben gelang ihm auch überzeugend, obgleich er auf Dias o. ä. Hilfsmittel – von einer historischen Karte abgesehen – verzichtete. Kühns Vortrag, der ganz umfassend die Entstehung der beiden Nachfolgestaaten des fränkischen Reiches, Frankreich und Deutschland, mit dem Schwerpunkt 10. Jahrhundert nachzeichnete, ergänzte so auf ideale Weise die lokal- und regionalspezifischen Aspekte, die Ortschronist Heinrich Moog vor Jahren bereits in seinem Buch „Eschringen – das Vierherrendorf“ behandelt hatte. Dr. Kühn erläuterte die Besonderheiten der germanisch-fränkischen Stammesstruktur im Vergleich zum (spät)römischen Verwaltungssystem, betonte auch, dass es im 5. und 6. Jahrhundert nicht einfach nur zu der sog. „fränkischen Landnahme“ gekommen sei, sondern dass es wohl eine gallo-römische Restbevölkerung in der Saargegend gegeben habe, die sich mit den eindringenden Franken vermischte. Er erklärte auch die Unterschiede zwischen den fränkischen Herrschaftssippen der Merowinger und der ihnen nachfolgenden Karolinger. Besonders interessant wurde es, als Dr. Kühn die getrennten Wege der Einzelreiche nach den Reichsteilungen skizzierte, denn hier wurde bereits deutlich, dass zum einen aus der „Francia“ (um das Zentrum Paris) das zentralistische Frankreich, zum anderen aus dem östlichen Frankenreich das herrschaftlich zersplitterte Deutsche Reich (ohne Hauptstadt) entstehen sollte.

Der zweite Teil seines Vortrages widmete sich, ausgehend von dieser politischen Trennung, der Entwicklung der Sprachen und der Sprachgrenzen. Während sich im fränkischen Westreich der Vorsprung der romanischen Sprache zeigte und sich aus dem „Vulgärlatein“ (mit gallischen Elementen) eine französische Sprache herausbildete, entstand in Lothringen und im Ostreich eine deutsche Sprache germanischen Ursprungs. Nicht von ungefähr zieht sich bis heute die Sprachgrenze durch Lothringen, wo ab dem 18. Jahrhundert die deutsche (Amts-) Sprache nicht mehr gestattet war. Dr. Kühn beleuchtete diesbezüglich auch die Bestrebungen des französischen Staates (besonders nach 1945), die deutschsprachigen Dialekte im Elsaß und in Lothringen mit aller Gewalt zurückzudrängen, das Französische endgültig durchzusetzen. Ein Ansinnen, dass im Hinblick auf ein Europa der Regionen inzwischen als überholt erkannt wurde.