Karl Leidinger

Missionar und Komponist

Karl Leidinger Die ehemalige Überdorfstraße trägt seinen Namen, doch die wenigsten wissen noch, wer er war: Pater Karl Leidinger SVD. Geboren wurde er am 18. Mai 1901 als fünftes von neun Kindern des Bergmanns Josef Leidinger und seiner Ehefrau Anna Vogelgesang in Eschringen. Er stammt aus dem Haus Nr. 14 der später nach ihm benannten Straße im Überdorf.

Karl besuchte in Eschringen die Volksschule, absolvierte seine Gymnasialstudien im Missionshaus SVD St. Wendel und studierte Philosophie und Theologie im Missionspriesterseminar SVD St. Gabriel, Mödling bei Wien. Dort empfing er am 9. Mai 1929 die Priesterweihe und feierte am 30. Juni desselben Jahres seine Heimatprimiz in unserer damaligen Pfarrkirche St. Peter zu Ensheim.

Von den Steyler Ordensoberen als Gymnasiallehrer für Chile ausgewählt, studierte er nach dem Heimaturlaub noch ein Jahr lang Sprachen an der Universität zu Münster in Westfalen, wo er sich auch als Seelsorger im Kinderhospital der Stadt nützlich erwies. Vor seiner Abreise in die Mission durfte der junge Priester Ende August 1930 Eschringen noch einmal besuchen. Seine besondere Freude war es damals, das heilige Opfer in unserer neuen, gerade eingeweihten Kirche feiern zu können. Mitte September trat der Missionar von Hamburg aus die Überseereise an.

Seine Lehrtätigkeit begann P. Leidinger am 29. Oktober 1930 in Santiago de Chile als Gymnasialprofessor für Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch am „Liceo Aleman“. Sein Hobby war die Kirchenmusik, und Pater Carlos schuf auch eigene Kompositionen. Als die Bischöfe des Landes im Jahre 1934 zum Eucharistischen Kongress in Chile die Vertonung eines festlichen Hymnus ausgeschrieben hatten, wählten die Preisrichter unter den zahlreichen Einsendungen seine Komposition aus, und die ausgezeichnete Musik fand beim Kongre0 so großen Anklang, daß sie für immer in den chilenischen Kirchengesang aufgenommen wurde. P.Leidinger selbst erhielt vom Erzbischof die ehrenvolle Berufung in den Ausschuss für Kirchenmusik.

Osorno, eine Stadt mit 40.000 Einwohnern, die 1.000 km südlich von Santiago liegt, war die zweite Station seines missionarischen Wirkens. Im Jahre 1944 kam er als Studienprofessor an das dortige Gymnasium, von 1947 bis 1951 leitete er es als Rektor.

Die dritte Missionsbestimmung führte den Priester im Jahre 1951 in die noch südlicher gelegene Stadt Puerto Varas. Dort befand sich das „Germania-Kolleg“ der Gesellschaft des Göttlichen Wortes noch im Aufbau. Der erfahrene Pädagoge übernahm als Rektor die Leitung der Studienanstalt und führte sie zur staatlichen Anerkennung. Anerkennung hat auch seine persönliche Arbeit gefunden, seitens der Kirche wie staatlicherseits. So wurden ihm anlässlich seines Silbernen Priesterjubiläums im Jahre 1954 viele Ehrungen zuteil.

Nach 29jähriger Missionstätigkeit konnte P. Leidinger 1959 seinen ersten Heimaturlaub antreten und durfte einige Monate im geliebten Eschringen weilen. Damals wurde sein 30jähriges Priesterjubiläum gefeiert, das die ganze Gemeinde festlich beging.

Zuletzt wirkte der Missionar in der Stadtseelsorge zu Osorno, wo er nach einer Erdbebenkatastrophe, die bald nach seiner Rückkehr das südamerikanische Land heimsuchte, in das Komitee für den Wiederaufbau der verwüsteten Stadt berufen. Von der Liebe Christi getragen setze P. Leidinger seine ganze Kraft ein, die Not der unglücklichen Bevölkerung lindern zu helfen, und so erfüllte sich das Leben dieses großen Eschringer Sohnes. Am 14. Juli 1961 gab er es zu Osorno in die Hände des Schöpfers zurück, gerade 60 Jahre alt.

(Heinrich Moog)

Literaturhinweis:
Vor seinen Augen stürzte die Kathedrale ein. Pater Prof. Karl Leidinger, Eschringens berühmter Sohn, starb im fernen Chile.
in: Pfälzische Landeszeitung, Ausg. C, Nr. 164 v. 19.7.1961.

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