{"id":1075,"date":"2017-02-24T14:08:39","date_gmt":"2017-02-24T13:08:39","guid":{"rendered":"http:\/\/eschringen.de\/wordpress\/?page_id=1075"},"modified":"2022-08-31T09:05:51","modified_gmt":"2022-08-31T07:05:51","slug":"03-01-93-festrede-zur-1100-jahrfeier","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/eschringen.de\/wordpress\/geschichte\/archiv\/03-01-93-festrede-zur-1100-jahrfeier\/","title":{"rendered":"03.01.1993 &#8211; Festrede zur 1100 Jahrfeier"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Festrede anl\u00e4sslich des ersten Neujahrsempfangs im Rahmen der 1100-Jahr-Feierlichkeiten, gehalten in der St. Laurentiuskapelle<\/h5>\n\n\n\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe heute morgen die Ehre, im Rahmen des Neujahrsempfangs zur 1100-Jahrfeier Eschringens die sogenannte &#8222;Festrede&#8220; zu halten. Die meisten von Ihnen wissen, da\u00df ich als &#8222;Notnagel&#8220; eingesprungen bin, da der urspr\u00fcnglich vorgesehene Redner aus diversen Gr\u00fcnden absagen mu\u00dfte. Mir ist bewu\u00dft, da\u00df ich meinen ehemaligen Kollegen Fred Oberhauser &#8211; er st\u00fcnde normalerweise jetzt hier &#8211; nicht ersetzen kann. Er kennt die gesamte Saar-Lor-Lux-Region wie seine eigene Westentasche, vom Westrich und dem Bliesgau, wozu ja auch Eschringen geh\u00f6rt, ganz zu schweigen. Und wer seine Kunst des Erz\u00e4hlens, des Fabulierens kennengelernt hat, wird sich schwerlich an ihm zu messen versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was bleibt als Thema einer Festrede, wenn man sich auf die Region, auf das Saarland als Ganzes nicht einlassen will? Man konzentriert sich auf den Ort Eschringen, dessen erste urkundliche Erw\u00e4hnung vor 1100 Jahren ja den Anla\u00df zu den Feierlichkeiten gegeben hat. Und da b\u00f6te sich nat\u00fcrlich an, in die Geschichte dieser Gemeinde einzutauchen und einen Abri\u00df der wechselvollen und ereignisreichen Biographie Eschringens zu geben. Diesen Versuch werde ich aber ebenfalls tunlichst unterlassen, denn es gibt einen berufeneren, meines Erachtens sogar einen einzigen, der dieser Aufgabe gerecht werden k\u00f6nnte &#8211; er weilt heute unter uns &#8211; es ist Heinrich Moog. Seit vielen Jahren schon besch\u00e4ftigt er sich mit der nur bruchst\u00fcckhaft bekannten Geschichte Eschringens, und ich denke, ich kann &#8211; nach der Lekt\u00fcre einiger Kapitel seines Buches, an dem er derzeit noch schreibt &#8211; einsch\u00e4tzen, welche Sisyphusarbeit er sich aufgeb\u00fcrdet hat, um aus einer Vielzahl von z. T. nur schwer zug\u00e4nglichen Quellen und Dokumenten eine umfassende Geschichte des Ortes zu formen. Und ich wei\u00df, da\u00df er auch eine Reihe von bis dato unbekannten Erkenntnissen zu Tage gef\u00f6rdert hat, die manche, l\u00e4ngst festgeschriebenen Ergebnisse der regionalen Geschichtsforschung in Frage stellen, z. T. sogar widerlegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also werde ich den Teufel tun und Ihnen irgendeine schwammige, ungesicherte Einf\u00fchrung in die Historie Eschringens auftischen. Warten Sie mit mir gespannt und neugierig auf Heinrich Moogs Buch, oder pr\u00e4ziser gesagt, den ersten Band seiner Geschichte Eschringens. Denn mit dem \u00fcppigen Quellenmaterial, das zu Eschringen existiert, aber noch lange nicht ausgewertet ist, l\u00e4\u00dft sich bequem ein mehrb\u00e4ndiges Werk erstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf das Glatteis der &#8211; teilweise nur noch wenige Monate im Dunkeln liegenden &#8211; Dorfgeschichte will ich mich also auch nicht begeben. Ergo habe ich in mich hineingeschaut und mir \u00fcberlegt, welche Beziehung ich als zugezogener Neub\u00fcrger &#8211; und nicht mal Saarl\u00e4nder! &#8211; zu diesem Ort, zu seinen Menschen entwickelt habe. Ich wohne, besser gesagt, lebe jetzt seit knapp sechs Jahren mit meiner Frau und unseren beiden Kindern in Eschringen. Ein paar Jahrzehnte d\u00fcrfte der Assimilierungsproze\u00df noch in Anspruch nehmen, bis ich als &#8222;richtiger&#8220; Eschringer durchgehe &#8211; hat man mir gesagt -, aber das st\u00f6rt mich nicht weiter. Es ist, denke ich, sogar von Vorteil, wenn man ein Dorf, eine Gemeinde wie Eschringen portr\u00e4tieren will, dies von einer noch etwas distanzierten Position aus zu tun. Vielleicht erschlie\u00dfen sich dem Zugereisten die Charakteristika dieses Dorfes und seiner Menschen doch eher, als dem Einheimischen oder &#8211; noch direkter gesagt &#8211; dem &#8222;Eingeborenen&#8220;, f\u00fcr den so vieles allt\u00e4glich und selbstverst\u00e4ndlich geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir, also meine Frau und ich, sind durch puren Zufall in Eschringen, bekannterma\u00dfen der kleinste Stadtteil Saarbr\u00fcckens, gelandet. Wir hatten schlicht und einfach das Stadtleben satt, die Hektik, den L\u00e4rm, die H\u00e4usermeere ohne Gr\u00fcn, die Anonymit\u00e4t. Nach etlichen Jahren in diversen St\u00e4dten sehnt man sich &#8211; wenn man selbst auf dem Lande aufgewachsen ist &#8211; irgendwann wieder zur\u00fcck, erinnert sich der Annehmlichkeiten des Dorflebens, wohlwissend der Vorz\u00fcge, die das Leben und Treiben in der Stadt mit sich bringt, und auf die man ja zuk\u00fcnftig verzichten m\u00fc\u00dfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind damals, es war um diese Jahreszeit, mit dem Auto um Saarbr\u00fccken herumgefahren, haben uns die Ortschaften im n\u00e4heren Umkreis angeschaut, und eines Sonntagnachmittags sind wir nach Brebach und dann nach Fechingen gefahren, wollten wieder umkehren und sind dann doch weiter: der langgezogenen, leicht ansteigenden Landstra\u00dfe folgend &#8211; Landstra\u00dfe, genau &#8211; wir waren jetzt auf dem Lande; sanfte, bewaldete H\u00fcgelketten, \u00c4cker und Wiesen, von einem d\u00fcnnen Schneefilm bedeckt. Und nach einer Doppelkurve pr\u00e4sentierte sich uns schlie\u00dflich die Silhouette Eschringens, dominiert von einer Kirche mit Zwiebelturm. In Oberschwaben oder Niederbayern konnten wir kaum gelandet sein; wir befanden uns im Bliesgau, in einem Ort, von dem wir vorher &#8211; zugegebenerma\u00dfen &#8211; nie geh\u00f6rt hatten. Er gefiel uns auf Anhieb, und dank weiterer Zuf\u00e4lle zogen wir schon wenige Monate sp\u00e4ter dorthin &#8211; hierher.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man sich entschlossen hat, sich &#8211; zumindest f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit &#8211; niederzulassen, Wurzeln zu schlagen, dann entwickelt sich auch das Verlangen des Sichvertrautmachens mit der neuen, noch fremden Umgebung. Jedenfalls erging es mir so. Und als Bibliothekar begab ich mich nat\u00fcrlich bald auf die Suche nach Sachinformationen und auch literarischen Texten zu Eschringen. Die Ausbeute war nicht gerade \u00fcppig. Bis zum heutigen Tage ist da auch nur wenig Substanzielles hinzugekommen. Eschringen gilt eben noch &#8222;entdeckt&#8220; zu werden. Von Fred Oberhauser wei\u00df ich, da\u00df es immerhin einen Roman gibt er in Eschringen spielen soll. Er hei\u00dft &#8222;Das Land unter dem Regenbogen&#8220; und erschien im Jahre 1924. Geschrieben hat ihn Alfons Schreieck, ein aus Neustadt an der Weinstra\u00dfe stammender Lehrer, der vor dem 1. Weltkrieg an der Eschringer Schule unterrichtete. Ich habe hier eines der raren Exemplare dieses Romans. Ich gestehe, nach den ersten zehn Seiten gab ich auf; ich konnte keine Bez\u00fcge zu Eschringen erkennen. S\u00e4mtliche Orts- und Familiennamen hat Schreieck n\u00e4mlich durch Phantasienamen ersetzt. Es geht, kurz gesagt, in diesem Roman um das Pro und Contra des Baues einer Bahnlinie, vielleicht ist damit die Klein- und Stra\u00dfenbahn gemeint, die vor 80 Jahren ihren Betrieb von Brebach aus nach Ormesheim via Eschringen aufnahm.<\/p>\n\n\n\n<p>In B\u00fcchern zu Saarbr\u00fccken kommt Eschringen allenfalls am Rande vor. Nun, Eschringen liegt ja auch am Rande und wurde erst im Rahmen der Gebietsreform vor knapp 20 Jahren der Landeshauptstadt zugeschlagen. In &#8222;Stadt und Land&#8220;, einem Bildband \u00fcber den Stadtverband Saarbr\u00fccken, schreibt Manfred R\u00f6mbell: &#8222;Hier liegen die D\u00f6rfer noch weit auseinander, r\u00fccken sich nicht auf die Pelle, lassen Luft und Land zwischen sich. Da gibt es Ruhe und Klarheit zwischen den Obstb\u00e4umen und den Wiesen hin\u00fcber nach Eschringen, im st\u00e4ndigen Wechsel zwischen der Weite der freien Landschaft und der Geschlossenheit der Waldgruppen, der Waldeinsprengsel.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr ist ihm offenbar nicht ein- bzw. aufgefallen. Nicht mal die Katholische Pfarrkirche St. Laurentius, die Bernhard Bonkhoff in seinem Buch &#8222;Die Kirchen im Saar-Pfalz-Kreis&#8220; als &#8222;eindrucksvollen Sandsteinbau in beherrschender Lage&#8220; charakterisiert. Von ihm wei\u00df ich auch, da\u00df es nicht &#8222;Zwiebelturm&#8220;, sondern &#8222;Barockhaube&#8220; hei\u00dft. Besagte Kirche wurde erst 1930 feierlich eingeweiht; davor mu\u00dften die Eschringer sich mit diesem Kirchlein, wo wir uns momentan befinden, begn\u00fcgen. Die St. Laurentiuskapelle liegt zwar zentral, aber etwas versteckt und wirkt recht unscheinbar. Doch als Ort f\u00fcr diesen Neujahrsempfang ist sie mit Bedacht gew\u00e4hlt. Denn die Kapelle darf gewi\u00df als das historisch bedeutsamste Geb\u00e4ude Eschringens bezeichnet werden; nicht nur, weil sie vor gut 700 Jahren erstmals Erw\u00e4hnung fand, sondern weil sich auch Sagen und Legenden um diese Kapelle, genauer gesagt um eine Holzskulptur des Schutzheiligen ranken. Nebenbei bemerkt: Es gibt in und um Eschringen eine ganze Reihe von Sagen und Spukgeschichten. Eine Legende, die von der vorgenannten Figur des heiligen Laurentius handelt, will ich Ihnen nicht vorenthalten:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Bei Eschringen steht die St. Laurentiuskapelle, in einer Nische hinter dem Altare bewahrte sie des Heiligen Bild. Unten bei der M\u00fchle sprudelt der Lorenzborn. Hier lebte vor Zeiten mit ihrer Enkelin eine alte Witwe. Von dem \u00fcbern\u00e4chtigen Spinnen war die Alte fast erblindet. Einmal in sp\u00e4ter Mitternacht fand ein halberstarrtes altes M\u00fctterlein bei ihr Herberge und Erquickung. Des Morgens bestrich die Fremde der Kranken die Augen und riet ihr, sich siebenmal des Tages zu waschen mit frischem Wasser aus de Born der M\u00fchle. Die Gro\u00dfmutter genas wie ein Wunder.<br>Als eines Tages das M\u00e4gdlein mit dem Kruge wieder zum Brunnen gekommen war, fuhr es erschrocken zur\u00fcck, denn aus der Tiefe des Wassers schaute ein Antlitz sie an, so hold und freundlich wie das eines Engels, und diese Erscheinung wiederhlte sich bei ihr bei jedem Gang an den Brunnen. Man untersuchte den Quell und zog aus dem Schlamm das Bild des heiligen Laurentius und brachte es zur Kapelle. Der Brunnen, in den also das Bild gekommen, war ein Heilwasser f\u00fcr vielerlei Leiden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrem im vergangenen Jahr erschienenen Buch &#8222;Wallfahrten und Kultst\u00e4tten im Saarland&#8220; geht Gabriele Oberhauser recht ausf\u00fchrlich auf die Verehrung des heiligen Laurentius in Eschringen ein. Aufgrund seines Martyriums &#8211; er wurde unter Kaiser Valerian auf gl\u00fchendem Rost zu Tode gefoltert &#8211; ist Laurentius der Schutzheilige der mit Feuer besch\u00e4ftigten Berufe, z. B. der Feuerwehrleute, K\u00f6che oder auch Glasbl\u00e4ser. Und nicht nur das. Er ist &#8211; was mich nat\u00fcrlich besonders ber\u00fchrt &#8211; als Betreuer der Kirchenb\u00fccher auch der Patron der Bibliothekare!<br>Noch einmal zur\u00fcck zum &#8222;Lorenzebrunne&#8220;. Dazu schreibt Gabriele Oberhauser u. a.: &#8222;Das ganze Jahr \u00fcber kamen Einheimische und Ausw\u00e4rtige, badeten die Augen, beteten in der Kirche und nahmen Wasser mit nach Hause&#8230;Das h\u00f6rte erst 1942\/43 auf, als der Brunnen durch eine Scheune \u00fcberbaut wurde.&#8220; Der Brunnen ist also nicht mehr zug\u00e4nglich, was sich aber vielleicht irgendwann einmal \u00e4ndern k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den Kirchen gibt es noch einige weitere markante Geb\u00e4ude in Eschringen. Das &#8222;Gasthaus zur Post&#8220; mit der Heimatstube werden Sie noch kennenlernen; von dort aus k\u00f6nnen Sie zur M\u00fchle hin\u00fcberblicken, die allerdings gegenw\u00e4rtig nicht gerade zu einer Besichtigung einl\u00e4dt. Der Eschringer Hof, in der Mitte der Hauptstra\u00dfe gelegen, f\u00e4llt noch ins Auge, ebenso das alte Depot am Ortsausgang Richtung Fechingen, das Erinnerungen an die gute alte Stra\u00dfenbahn weckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte eingangs erw\u00e4hnt, da\u00df man beim Anblick Eschringens &#8211; egal, von welcher Seite man aus in den Ort kommt, ob von Ormesheim, Ensheim oder Fechingen &#8211; sich durchaus in Regionen im S\u00fcden Deutschlands versetzt f\u00fchlen kann; das best\u00e4tigen mir auch immer wieder Freunde und Bekannte aus dem &#8222;Reich&#8220; (wie man hier so sagt). Solch ein Vergleich hinkt nat\u00fcrlich; mit f\u00fcr den Fremdenverkehr herausgeputzten Heile-Welt-D\u00f6rfern wie z. B. im Allg\u00e4u oder in Niederbayern kann Eschringen nicht mithalten, will es ja wohl auch nicht. Hier gibt es eben Br\u00fcche im Dorfbild, Geb\u00e4ude, die nicht passen, H\u00e4userfronten, die niemals einen Sch\u00f6nheitswettbewerb gewinnen k\u00f6nnen. Mich st\u00f6rt es nicht; ich ziehe diese herbe, manchmal wilde Mischung der k\u00fcnstlich erhaltenen Puppenstubenromantik vor.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Saarland gibt es ja einige Wanderf\u00fchrer, und auch da kommt Eschringen allenfalls als Zwischenstation oder als Ausgangspunkt einer Wanderung vor. Der &#8222;Saarland-Rundwanderweg&#8220; geht bekanntlich quer durch den Ort. F\u00fcr den Profi-Wanderer bleibt wohl keine Zeit zum Verweilen. Dabei lernen Sie mit den Jahren hier herrliche Wege zum Spazieren kennen: weite, die Sie z. B. nach Gr\u00e4finthal oder Bliesransbach f\u00fchren, kurze, f\u00fcr Sonntagnachmittagsspazierg\u00e4nge, die Ihnen, ob vom \u00dcberwald her oder von der gegen\u00fcberliegenden Seite, der Sitters, pr\u00e4chtige Panoramen Eschringens liefern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihnen werden Menschen begegnen, die Sie &#8211; selbst wenn Sie fremd hier sind &#8211; gr\u00fc\u00dfen; das trifft man &#8211; nach meinen Erfahrungen eher selten an in unserem Lande. Womit ich mir endlich eine herrliche Br\u00fccke zu den Eschringern gebaut habe. Denn das Portr\u00e4t eines Ortes bliebe unvollst\u00e4ndig, ohne auch auf seine Bewohner einzugehen. Als ich mit meiner Familie hierher kam, begegnete man uns mit Freundlichkeit, Offenheit und einer nie st\u00f6rend empfundenen Portion Neugierde. Was uns aber verwunderte, ja stutzig machte, war das nicht gerade positive Bild, das so manch Eschringer von den Eschringern zeichnete. Verschlossen und mi\u00dftrauisch, dickk\u00f6pfig und miesepetrig soll der Eschringer sein, der &#8222;homo eskringos&#8220;! Das Gegenteil hatten wir erfahren, und bis zum heutigen Tage k\u00f6nnen wir nicht klagen.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem solchen Falle lohnt es sich meist, mal in den Nachbard\u00f6rfern nachzufragen, und in der Tat waren die Meinungen \u00fcber das V\u00f6lkchen der Eschringer nicht gerade schmeichelhaft. Ein Ex-Kollege, ein 100%iger Ensheimer, r\u00fcmpfte die Nase und meinte lapidar: &#8222;Mit denne is nix loss.&#8220; Seiner Ansicht nach fehle den Eschringern genau das, was z. B. die Ensheimer auszeichne: Aufgeschlossenheit, Weltl\u00e4ufigkeit und vor allem ein unersch\u00fctterliches Gemeinschaftsgef\u00fchl. Ich mu\u00df gestehen, da\u00df mich diese arrogante Haltung \u00e4rgerte. Aber es mu\u00dfte was dran sein, denn es war nicht der einzige Kommentar, den ich aus dieser Richtung h\u00f6rte. Offenbar blickt man von Ensheim &#8211; im wahrsten Sinne des Wortes &#8211; auf Eschringen herab. Dabei wei\u00df ich inzwischen aus dem Buch von Edith Braun, &#8222;Necknamen an der Saar&#8220;, da\u00df die Ensheimer Eschringen &#8222;Gl\u00e4\u00e4n Barriss&#8220; (also Klein-Paris) nannten, weil sie die Sprache der Eschringer &#8222;feiner&#8220; als die eigene fanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, vor einiger Zeit kam mir noch eine interessante Redewendung unter, die &#8211; positiv gesprochen &#8211; eine lebendige Streitkultur in Eschringen konstatiert. Ich hoffe, ich gebe sie richtig wieder: &#8222;In Eschringe geht nix zesamme als die Milch.&#8220;<br>Mag sein, da\u00df in der Vergangenheit manches hier im Ort nicht so zusammenging; mag sein, da\u00df es den Eschringern ein wenig an Selbstbewu\u00dftsein mangelt. Aber die letzten ein, zwei Jahre, denke ich, zeigen in die richtige Richtung. Bestes Beispiel: die Gr\u00fcndung der &#8222;Arbeitsgemeinschaft Eschringer Vereine&#8220;. Die bisherigen Erfahrungen sind ermutigend, denn viele engagieren sich f\u00fcr die unterschiedlichsten Aktivit\u00e4ten im Rahmen der 1100-Jahr-Feierlichkeiten. Und wenn alle an einem Strang ziehen, wird das Jahr 1993 \u00fcber das Jubil\u00e4um hinaus ein Markstein in der Geschichte Eschringens werden. Das Gemeinschaftserlebnis der diesj\u00e4hrigen Festivit\u00e4ten wird auch die Dorfgemeinschaft st\u00e4rken, dessen bin ich mir ziemlich sicher.<br>Es gibt ja eine Prophezeihung, die in diese Richtung zielt. Mancher von Ihnen kennt sie vielleicht schon. Sie entstammt einer weiteren Sage um die Kapelle und die Figur des heiligen Laurentius, der Sage vom versunkenen, also verschwundenen Gl\u00f6cklein. Da hei\u00dft es am Schlu\u00df: &#8222;Ein alter Klosterbruder aber hat gesagt, sobald in der Gemeinde des Dorfes die altererbte Zwietracht zu schwinden anfange, hebe sich das Gl\u00f6cklein um einige Fu\u00df und werde endlich am Festtage allgemeiner Vers\u00f6hnung an der Oberfl\u00e4che erscheinen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Dem will ich nichts weiter hinzuf\u00fcgen. Ich danke f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit!<\/p>\n\n\n\n<p>Roland Schmitt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Festrede anl\u00e4sslich des ersten Neujahrsempfangs im Rahmen der 1100-Jahr-Feierlichkeiten, gehalten in der St. Laurentiuskapelle Sehr geehrte Damen und Herren! Ich habe heute morgen die Ehre, im Rahmen des Neujahrsempfangs zur 1100-Jahrfeier Eschringens die sogenannte &#8222;Festrede&#8220; zu halten. Die meisten von Ihnen wissen, da\u00df ich als &#8222;Notnagel&#8220; eingesprungen bin, da der urspr\u00fcnglich vorgesehene Redner aus diversen &#8230; <a title=\"03.01.1993 &#8211; Festrede zur 1100 Jahrfeier\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/eschringen.de\/wordpress\/geschichte\/archiv\/03-01-93-festrede-zur-1100-jahrfeier\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber 03.01.1993 &#8211; Festrede zur 1100 Jahrfeier\">Weiterlesen &#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":403,"menu_order":84,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-1075","page","type-page","status-publish"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>03.01.1993 - Festrede zur 1100 Jahrfeier - Eschringen<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/eschringen.de\/wordpress\/geschichte\/archiv\/03-01-93-festrede-zur-1100-jahrfeier\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"03.01.1993 - Festrede zur 1100 Jahrfeier - Eschringen\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Festrede anl\u00e4sslich des ersten Neujahrsempfangs im Rahmen der 1100-Jahr-Feierlichkeiten, gehalten in der St. Laurentiuskapelle Sehr geehrte Damen und Herren! 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