Route 7

Route 7 – „Der Eschringer Grenzsteinlehrpfad“

Der Eschringer Grenzsteinlehrpfad will „vor Ort“ über die ehemaligen Herrschaftsverhältnisse und den Verlauf alter bzw. noch gültiger Grenzen informieren. Entlang des Lehrpfades sind an Bäumen kleine Hinweisschilder zum jeweiligen Standort der oft versteckten Grenzsteine angebracht. Wenn Sie sich nun für diesen Grenzsteinweg entscheiden, sollten Sie über gutes, der Witterung entsprechend wasserabweisendes Schuhwerk verfügen. Durch massiven Pferdeberitt sind einige Feuchtstellen unter Umständen ausgetrampelt.

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Ausgangspunkt dieser Wanderung ist das Wegedreieck am Bärentrisch-Brunnen, wo die Gräfinthaler Straße in den Gräfinthaler Weg mündet. Wie der Name vermuten lässt, führt dieser alte Wallfahrtsweg (jetzt Teilstrecke des Saarland-Rundwanderweg/Bliesgauschleife mit dem Zeichen rot-weiß) zum Kloster Gräfinthal. Am alten Wasserbehälter (von 1922) vorbei marschieren wir die Höhe hinauf; die Wiesen hier am Fuße des Überwalds trugen einst den merkwürdigen Flurnamen „Am toten Hund“. Am Waldrand mündet nun ein etwa 600 m langer Parallelweg linkerhand ein, der Sie am Ende wieder auf den ursprünglichen Wanderweg (grün) führen wird.

Entlang diesem, in den 1970er Jahren angelegten Weg, verläuft eine alte Grenze, die heute noch Gültigkeit hat und seit der Gebietsreform von 1974 den Stadtverband Saarbrücken vom Saarpfalz-Kreis trennt. Über viele Jahrhunderte hinweg schied diese Grenze die Bänne von Eschringen und Ormesheim, und da beide Dörfer unterschiedlichen Herrschaften gehörten, verlief hier auch lange Zeit eine Territorialgrenze. Vom Spätmittelalter an hatte Eschringen den Status eines Vierherrendorfes (Deutscher Orden, Grafschaft Nassau-Saarbrücken, Blieskastel/von der Leyen, Kloster Gräfinthal), wogegen Ormesheim zuerst „nur“ Bestandteil des kurtrierischen Amtes Blieskastel war, dann aber im Jahre 1660 von den Herren von der Leyen durch Kauf erworben wurde.

Der Grenzstein Nr. 55

An besagter Ecke wurde in den Jahren 2002-2003 ein Grenzsteinportal erstellt, das den Eschringer Grenzsteinlehrpfad eröffnet. Genau am Eckpunkt unseres Grenz(stein)wegs steht ein beschädigter Stein aus dem Jahre 1768 mit der Nr. 55 (sowie einer weiteren, jüngeren Zahl: 28), der abgebrochen war und im April 2003 wieder aufgesetzt wurde.

Im gegenüberliegenden, im Sommer 2002 errichteten Monument sind zwei sog. ”translozierte” Grenzsteine, die nicht mehr an ihren ursprünglichen Standorten stehen, mit Natursteinen aufgemauert. Beide standen einst auf Ackerflächen, wurden vermutlich von Traktoren umgefahren und brachen entzwei. Der eine Bannstein aus grauem Sandstein stammt aus dem Jahre 1791 und grenzte das Vierherrendorf Eschringen (E) vom zum Kloster Wadgassen (W) gehörigen Nachbardorf Ensheim (E) ab. Die laufende Nummer 11 ist schon stark verwittert. Von der Jahreszahl ist nur noch die 79 erkennbar; die Einsen links und rechts sind abgeschlagen. Der andere Grenzstein aus rotem Sandstein wurde 1892 gesetzt und trennte nicht nur die Bänne der Dörfer Eschringen und Fechingen, sondern auch die Königreiche Bayern (KB) und Preußen (KP) voneinander.

Das Grenzportal am Überwald

Die bayerisch-preußische Landesgrenze existierte von 1816 bis 1918 (bzw. 1935). Wenn Sie dem Grenzsteinweg nun ins „Ponsheimer Gelöch“ folgen, können Sie mehrere, sehr unterschiedliche Grenzsteintypen entdecken: Wappengrenzsteine, einfache Eckgrenzsteine und sog. „Läufer“, die auf gerader Linie gesetzt wurden, Steine ganz ohne Ziffern und Zeichen, Steine mit glattem und runden „Kopf“ und leider auch beschädigte Grenzsteine, bei denen Initialen, Hoheitszeichen und Ziffern nur bedingt noch zu erkennen sind. Die verschiedenen Nummerierungen sind unterschiedlich alt und gegenläufig: Die aufsteigende (50er Reihe) bezieht sich auf die großangelegte Grenzsteinsetzung von 1768.

Grenzkarte 1768

Immer wieder gab es an dieser Grenze Streit und Zwischenfälle. Wohl auch aus diesem Grunde wurde dann eben im Jahre 1768 die Hoheitsgrenze zwischen der Fürstlich Nassauischen Grafschaft Saarbrücken und der Gräflich Leyischen Herrschaft Blieskastel neu ausgesteint. Leider existieren keine Vorgängersteine mehr. Die Mehrzahl der Grenzsteine wurde nunmehr in diesem Jahr gesetzt (siehe Ausschnitt des geometrischen Plans, erstellt durch die Feldmesser Knoerzer und Voydeville).

Der Grenzstein Nr. 68

Unweit der Stelle, an der der leicht ansteigende Waldweg wieder auf den Gräfinthaler Weg trifft, befindet sich direkt an einem Stacheldrahtzaun ein imposanter Sandstein mit abgerundetem Kopf. Er stammt auch aus der Serie von 1768; wir erkennen die hierfür üblichen Zeichen OR für Ormesheim und ES für Eschringen sowie das Leyen’sche Wappen und die Nassau-Saarbrückische „Wolfsangel“ (ein altes Forstzeichen, das häufig als hoheitliches Grenzzeichen, z. B. auch im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, Verwendung fand). Neben der Originalnummerierung 58 ist auch für die gegenläufige Zählung die erwartete 34 zu lesen. Rund 100 m weiter, linkerhand des Gräfinthaler Weges, schaut der Kopf eines offenbar eingesunkenen Zwischengrenzsteines heraus. Dieser Läufer trägt lediglich als Nummerierung eine 33.

Unser Grenzsteinlehrpfad endet hinter der Schranke, wo sich nunmehr der im Oktober 1999 neugesetzte, restaurierte Dreibänner (mit der Nummer 59) an seinem angestammten Standort befindet. Höchstwahrscheinlich war er im März 1945 von amerikanischen Panzern um- bzw. angefahren geworden.

Auf der Ruhebank am Dreibänner

Das Kopfstück brach ab und fiel eine kleine Böschung hinunter. Viele Jahre nun galt der (etwa sechs Zentner schwere) Dreibänner, auch „Ehrenstange“ genannt, bis zur Wiederentdeckung 1996, als verschollen. Der Standort des Steines am Bliesransbacher Flurstück „Am Zollstock“ lässt vermuten, dass sich hier, auf diesem alten Kulturweg, einst auch eine kleine Zollstation befand. Keine 50 m weiter westlich befindet sich übrigens am Waldsaum (nach Bliesransbach hin) ein bayerisch-preußischer Grenzstein aus dem Jahre 1905. Nach einer Pause auf der Ruhebank mit Blick nach Ensheim, auf den Flughafen und das Saarbachtal gehen wir wieder zurück, dieses Mal auf dem eigentlichen Gräfinthaler Weg durch den Überwald.

Länge: ca. 3 km
Dauer: ca. 1 Stunde
Höhenlage: 240 – 350 m

NEU! – GPS-Daten: Route 7

Literaturhinweise: Der Eschringer Grenzsteinlehrpfad / Roland Schmitt. Saarbrücken-Eschringen, 2003.